SPD-Landtagskandidatin Annegret Lang im Gespräch mit dem Altenpfleger Kim Daniel SchmidtWenn Applaus nicht reicht

Die Altenpflege steht neben den Kliniken von Beginn der Pandemie an im Fokus der Öffentlichkeit. SPD-Landtagskandidatin Annegret Lang hat im Rahmen ihrer winterlichen Terrassengespräche einen jungen Altenpfleger eingeladen. Sie wolle nicht nur über Pfleger*innen sprechen, sondern mit ihnen. „Ich wollte wissen, wie Kim Daniel Schmidt seinen Berufsalltag in der Pandemie erlebt“, so Lang im Vorfeld des Gesprächs.

Schmidt berichtete zu Beginn, dass er durch seinen Zivildienst von seinen ursprünglichen Ausbildungsplänen abgekommen sei. Bei seinem Einsatz in der Altenpflege sei ihm klar geworden: „Das ist mein Ding“. Er möge die Arbeit im Team, die sinnvolle Arbeit an und mit den Bewohnern. Es sei schön, für andere wichtig zu sein und Wertschätzung zu erfahren.

Kim Schmidt arbeitet seit 10 Jahren als Altenpfleger. Auf Langs Frage, ob er nach den vergangenen 11 Monaten noch einmal diesen Beruf erlernen würde, antwortete er, ohne zu zögern, mit „Jederzeit“. Es sei sein Traumberuf. Es erfülle ihn mit Stolz, einen Beitrag dazu zu leisten, dass Menschen einen würdigen Lebensabend haben.

Schmidt beschrieb, wie überrascht er war, welche Bedeutung den Pflegeberufen auf einmal beigemessen wurde: „Plötzlich wurde wahrgenommen, was schon viele Jahre im Argen liegt: Zum Beispiel der Fachkräftemangel und die Personalverordnungen, die Untergrenzen vorgeben, die eine würdige und professionelle Versorgung schwer machen. All diese Themen wurden zuvor nicht gehört und auf einmal waren wir Systemrelevant.“

Auch in der Vergangenheit habe es schon Jahre mit schweren Grippe- und Norovirusepidemien mit vielen Todesfällen gegeben. Das habe die Öffentlichkeit gar nicht zur Kenntnis genommen, so Schmidt. Er wünsche sich, dass nach der Pandemie nicht in Vergessenheit gerät, wie wertvoll und wichtig die Arbeit der Pflegeberufe nicht nur während einer Pandemie ist.

Auf Annegret Langs Frage, was der Berufsstand selbst beitragen könne, damit er auch nach der Pandemie gesehen wird, sagte Schmidt: „Ich wünsche mir, dass die Pfleger*innen insgesamt selbstbewusster für die eigenen Interessen eintreten.“ Nur wenige Kolleg*innen seien in einer Gewerkschaft organisiert oder würden an Streikaktionen teilnehmen. Er selbst engagiere sich im Betriebsrat und setze sich für gute Arbeitsbedingungen ein. Ihm sei es wichtig, dass alle Pflegekräfte nach einem Tarifvertrag fair vergütet werden. Auch die Reduzierung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich würde den Pflegeberuf attraktiver machen und älteren Fachkräften die Arbeit bis zur Rente erleichtern. „Die Chance jetzt etwas zu verändern, darf nicht verpasst werden“, so Schmidt.

Abschließend schildert Schmidt die Situation der Bewohner*innen. „Vor allem die Bewohner mit Demenz leiden sehr. Die Pflegekräfte tragen selbstverständlich alle einen Mundschutz. Die Mimik ist kaum erkennbar, das sichtbare Lächeln und die Nähe fehlen. Das macht es vielen Bewohnern schwer.“ In seiner Einrichtung gäbe es aber eine gute Besuchsregelung. „Die Tests geben Sicherheit. Aber natürlich vermissen alle die gewohnten Abwechslungen wie Ausflüge und Veranstaltungen. Alle hoffen auf ein baldiges Ende der Pandemie.“

Lang wollte wissen, ob er Angst habe, sich selbst zu infizieren. Das verneinte Schmidt. Er sei vorsichtig und vertraue auf die Schutzmaßnahmen in der Einrichtung.

„Ich bin erleichtert nach diesem Gespräch mit dem Altenpfleger Kim Daniel Schmidt. Keine Spur von Resignation. Er hat Freude an seiner Arbeit und zeigt Bereitschaft sich innerbetrieblich zu engagieren. Wenn das die junge Generation der Pflege ist, dann gibt es Anlass zur Hoffnung, dass sich in Zukunft doch etwas ändert. Applaus haben sie verdient, unsere Pflegekräfte. Vor, während und nach der Pandemie, aber nur als Zugabe“, resümierte Annegret Lang nach dem Gespräch und versprach: „Sollte ich in den Landtag gewählt werden, will ich mich dafür einsetzen, dass der Pflegeberuf den Stellenwert erhält, den er verdient hat. Für eine professionelle Gesundheitsversorgung und Pflege der Menschen in unserer Region.“