SPD-Ortsverein Balingen und SPD-Gemeinderatsfraktion im GesprächVandalismus-Debatte: bitte ruhig Blut - und sachlich bleiben

Nachdem das Thema "Vandalismus" die Öffentlichkeit unserer Stadt seit längerer Zeit beschäftigt, hatte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Alexander Maute den Ortsvereinsvorstand und die Gemeinderatsfraktion der SPD zu einem informellen Gespräch mit Erich Laub vom Kinder- & Jugendbüro der Stadt und der Balinger Streetworkerin Nadine Hempke eingeladen.

Für Erich Laub war zu Beginn der Diskussion eines wichtig: „Wir brauchen nicht über allgemeine Probleme der Jugend in Balingen sprechen, sie unterscheiden sich in nichts von denen Jugendlicher in anderen Städten“. Danach dürfe das auffällige Verhalten einer geringen Minderheit, die es auch in Balingen gebe, nicht als etwas Extremes dargestellt werden.

Bei allem Verständnis für die Befindlichkeit von Innenstadtbewohnern waren sich die Gesprächsteilnehmer einig, dass die attraktive Innnenstadtwohnlage nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile hat. Alle Geschäfte und Attraktionen vor der Haustür brächten eben auch ein höheres Störpotential mit sich. Die Attraktivität der Innenstadt bestünde auch aus ihrem kulturellen Angebot und den vielfältigen Gastronomiebetrieben vor Ort.

Die Balinger Streetworkerin Nadine Hempke forderte mehr Toleranz gegenüber Jugendlichen ein, wenngleich sie die Taten der Randalierer verurteilt. Ihre Erfahrungen mit den Balinger Jugendlichen seien gut; die Treffen der Jugendlichen an den so genannten „Brennpunkten“ verliefen an den Wochenenden durchaus friedlich. Weder ließe sich außergewöhnliches Gewaltpotenzial erkennen, noch eine überdurchschnittliche Bereitschaft, gezielt und bewusst zu randalieren und durch Lärmbelästigung aufzufallen.

Lärmbelästigungen und Sachbeschädigungen in Innenstädten seien kein spezielles Balinger Problem. Es gäbe in der Zwischenzeit Städte, in denen so genannte "Nachtwanderer" unterwegs seien. Dabei handelt es sich um geschulte Bürger im Ehrenamt, die als Gesprächspartner für Jugendliche zur Verfügung stünden. Lobend erwähnt wurde das gut angenommene Angebot der Baptistengemeinde an Jugendliche. Auf alle Fälle brauchen junge Menschen Orte, an denen sie sich treffen können. Sporthallen an den Wochenenden zu öffnen und betreute Sportangebote zu machen, könnte eine weitere Überlegung sein.

Man dürfe sich keine großen Hoffnungen machen, dass man durch solche und ähnliche Angebote an den Lärmbelästigungen und Randalen etwas Grundsätzliches ändern könne. Man habe es, nach Einschätzung von Erich Laub, auch mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun; die Auswirkungen, die die betroffenen Anwohner in der Innenstadt erfahren, seien „normal und typisch“ und ließen sich in fast allen Städten in Deutschland feststellen. „Kommunalpolitik kann da nur wenig machen“, so Erich Laub in seiner Analyse.

Für den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Alexander Maute ist zunächst eines wichtig: “Die Entscheidungen des Gemeinderats dürfen nicht nur die Interessen einiger weniger berücksichtigen“.