Wir lehnen die Einführung von neuen Werkrealschulen ab.

Balingen hat derzeit fünf Hauptschulen, zwei davon Werkrealschulen mit einer 10. Klasse.  Unsere Hauptschulen haben eigene Profile und engagierte Pädagogen.

Neben den bestehenden zwei Werkrealschulen, wo nach dem 10. Schuljahr die mittlere Reife erworben werden kann, bieten die zweijährigen Berufsfachschulen an den 3 Berufsschulstandorten im Anschluss an die Hauptschule die Möglichkeit, die mittlere Reife zu erwerben.

Anmerkung: Das gesprochene Wort war etwas anders, ich habe noch Anmerkungen zu Vorrednern gemacht.

Unser Bildungssystem ist vielfältig und durchlässig. Die Hauptschule ist  besser, als ihr Ruf. Trotzdem wird sie von immer weniger Eltern für ihre Kinder nachgefragt. - Es gibt eine Abstimmung mit den Füssen. Die Hauptschule wird als "Restschule" wahrgenommen und ist stigmatisiert.

Auch in Balingen gehen von Grundschulen Schmiden und Endingen/Erzingen nur noch 25 % an die Hauptschulen. Nur die Engstlatter Schule schafft es, 75 % ihrer Kinder den Wechsel auf Realschule und Gymnasium zu ermöglichen, obwohl die Hauptschule bei der Grundschule ist.

Bei der Sichelschule ist die Übergangsquote auf die Hauptschule bei 43 %. Das hat sicher mit den vielen Kindern zu tun, bei denen Deutsch nicht die Muttersprache ist. Sie sind deshalb aber nicht weniger begabt, sondern nur weniger gefördert.

Da gibt es offenbar nicht genug Fördermöglichkeiten.

Die Verbesserung der baden-württembergischen Schullandschaft kam durch das Bundesprogramm Investitionsprogramm Zukunft - Bildung - Betreuung -  IZBB abgekürzt, erdacht und durchgesetzt durch rot-grün, das hat die baden-württembergische Schullandschaft entscheidend verbessert.

Da gab es genügend Gegner, die heute große Befürworter von Ganztagsangeboten sind. Wir haben jetzt flächendeckend Ganztagesangebote in allen Schularten. Das ist ein wirklicher Fortschritt.

Das hat viel Organisationskraft gekostet und viel Unruhe gebracht. Die Entscheidungen zwischen der Ganztagespflichtschule, das heißt die gebundenen Ganztagesschule oder freiwilligen Angebote sind gefallen. Nur die Sichelschule hat die verpflichtende Ganztagespflichtschule  für die Hauptschule eingeführt.

  • Wir SPD-Gemeinderäte sind für eine zehnjährige Schulpflicht für alle Kinder.
  • Wir sind für längeres gemeinsames lernen.
  • Wir sind gegen die Aufteilung in der 4. Grundschulklasse in Gymnasiasten, Realschüler und Hauptschüler.
  • Wir wollen ein integratives Schulsystem.
  • Wir glauben immer noch, und immer wieder, dass alle Kinder länger miteinander lernen können und gegenseitig davon profitieren.

Wir sehen, dass wir das im Land Baden-Württemberg nicht durchsetzen werden. Dagegen stehen die Ideologen auf der Regierungsbank, die am dreigliedrigen Schulsystem festhalten wollen. Die  Flickschusterei  an der Hauptschule dient ausschließlich diesem Zweck.

Unsere Hoffnung liegt bei den fortschrittlichen Leuten  der CDU. Wir glauben, viele denken, wie wir. Sie sollten hier Zeichen setzen und der Regierungspartei sagen, wie die Leute denken!

Was brächte denn die Werkrealschule neu:

Vorgesehen für Balingen sind zwei Werkrealschulen mit Außenstellen.

Es wird noch zwei Rektorate geben. Diese entscheiden nach den Landesvorgaben, wie die zwei Werkrealschulen dann inhaltlich gestaltet werden. Die Festlegung von Wahlpflichtfächern durch die Stadtverwaltung halte ich für unhaltbar. In der Verwaltungsvorlage steht  im Beschlussvorschlag "Die Verwaltung wird beauftragt, die Festlegung der Wahlpflichtfächer im Einvernehmen mit den beteiligten Schulen vorzunehmen".  Ich meine, das geht den Gemeinderat und die Verwaltung schlicht nichts an. Das ist Sache der Schulleitung.

Und da geht es doch auch darum, was die betroffenen Schüler wollen.

So sehen wir das im Übrigen auch für die Teilung in horizontal oder vertikal.  Beschließen kann man viel, was kommt, ist eine andere Sache.

Der Landeselternbeirat und die GEW lehnen die Einführung der Werkrealschule neu ab.

Die Initiative "länger gemeinsam lernen" schreibt:

Baden-Württemberg macht etwas, vor dem alle Bildungsforscher und Experten gewarnt haben. Es filetiert die Hauptschule und sein ganzes Schulsystem in viele schmale Streifen. Das ist das Gegenteil dessen, was wir seit den Pisa-Studien mühsam lernten: Sachte die Schulformen zusammenführen.

Wir beziehen uns auf den baden-württembergische Handwerkstag. In der Pressemitteilung von  Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle steht "was von der ursprünglich innovativen Idee übrig geblieben ist, können wir nicht akzeptieren."

Noch im Sommer vergangenen Jahres habe das vom Kultusminister vorgestellte Konzept das Handwerk auf eine grundlegende Verbesserung hoffen lassen. Stattdessen bildeten nun wie gehabt Hauptschule und Werkrealschule eine Einheit.

Nur wer einen Notendurchschnitt von 3,0 in den Kernfächern vorweisen kann, soll die 10. Klasse der Werkrealschule neu besuchen dürfen. Diese neue Hürde auf dem Weg zum mittleren Bildungsabschluss bedeute eine weitere Selektionsstufe und für die Betroffenen eine erneute Stigmatisierung. Akzeptanzprobleme für die neue Schulart seien vorprogrammiert. "Warum sollte ein Schüler, der die Realschulempfehlung besitzt, freiwillig die Werkrealschule wählen? Die Absetzbewegung hin zu Realschule und Gymnasium würden weiter zunehmen."

Das alles ist O-Ton der Pressemitteilung des baden-württembergischen Handwerkstags. Sie sprechen für alle Handwerkskammern im Land und wir dürfen sicher sein, dass diese Stellungnahme gut abgestimmt ist.

Sie sind völlig unverdächtig, Sozialdemokratisch durchsetzt zu sein.

Baden-Württemberg hat Handlungsbedarf. Es braucht keinen Schnellschuss, aber eine breite öffentliche Diskussion ohne ideologische Scheuklappen. Das dreigliedrige Schulsystem muss auf den Prüfstand

Über das achtjährige Gymnasium, das dazu geführt hat, daß heute 1/3 der Realschüler Gymnasialempfehlung haben und Abitur über die beruflichen Gymnasien im Auge haben, sprechen wir heute überhaupt nicht. Auch nicht über die Sonderschulen. Das gehört ebenfalls in den Blick.

Das, was wir jetzt veranstalten würden, wenn wir die Werkrealschule neu in Balingen einführen, dient weder unseren Kindern, noch der verunsicherten Lehrerschaft.

Wir sollten in Ruhe zwei weitere Jahre alles lassen, wie es jetzt. Wir werden dann zur nächsten Reform genau richtig kommen. Denn die ist vorprogrammiert.

Wir haben gehört, welche Szenarien aufgebaut wurden, was wir unseren Kindern vorenthalten, wenn wir nicht jetzt auf den Zug aufspringen würden.

Wir glauben überhaupt nicht, dass wir Chancen verschenken, wir sehen mehr Risiken, als Chancen für unsere Kinder und deshalb plädieren wir dafür, die nächsten zwei Jahre alles zu lassen, wie es ist und dann zu sehen, wie sich wo was entwickelt hat.

Integrative Schullandschaft, das muss auf die Tagesordnung. Wir wissen uns mit dieser Einstellung in der Mitte der Gesellschaft.

Manchmal ist Nichtstun das richtige Handeln! - Auch das hat seine Auswirkungen.

Helga Zimmermann-Fütterer